Genesis
Irgendwann ist der Schmerz im Rücken kein Schmerz mehr, sondern ein Puls. Er kommt, geht, und kommt wieder – wie ein langsames Ein- und Ausatmen.
Man kann nicht sagen, wann es beginnt. Vielleicht vor einer Stunde, vielleicht schon am Nachmittag. Es ist kein Stich, kein plötzliches Reißen, sondern ein Wellenkamm, der irgendwo tief unten entsteht und dann durch den Körper rollt – leise, aber unaufhaltsam.
Manchmal wird man schwindlig davon. Nicht im Kopf – im Inneren. Als würde sich etwas in sich dehnen, langsam, ohne Eile, aber mit einem Ziel.
Man legt eine Hand auf ihren Bauch. Er ist hart, dann weich, dann wieder hart. Das Kind bewegt sich nicht mehr, nur die Haut spannt, der Atem wird kürzer.
Man will aufstehen, kann aber nicht. Die Beine fühlen sich an, als hätten sie das Gleichgewicht verloren. Also bleibt man liegen, schließt die Augen und zählt unbewusst zwischen den Wellen.
Eins. Zwei. Drei.
Pause.
Dann wieder.
Es ist, als würde der Körper eine Sprache sprechen, die man nie gelernt hat – und doch versteht.
Manchmal zieht es bis in die Oberschenkel, manchmal bleibt es in der Mitte. Ein dumpfes, kreisendes Ziehen, ein Drücken, das fordert, ohne zu fragen.
Man beißt sich auf die Lippe. Nicht aus Schmerz, sondern aus Konzentration. Etwas arbeitet im Körper – still, rhythmisch, unerbittlich.
Dann, irgendwann, spürt man das Ziehen. Man wacht auf und hält sich den Bauch. Reflexartig dreht man sich um, geht auf alle Viere.
Man atmet tief, kurz, stoßweise.
Eins. Zwei. Drei.
Dann keine Pause.
Man kämpft mit dem Feuer in seinem Körper. Es brennt zwischen den Beinen, man greift hin – etwas Glitschiges, warm. Ein Kopf.
Man senkt das Gesicht ins Kissen und presst. Ein Schrei, dann ein dumpfer Laut, als das Kind halb draußen ist. Noch einmal Druck.
Platsch.
Dann – Stille.
Und plötzlich, ein leises, dünnes Weinen.
Das Baby liegt da, noch verbunden durch die Nabelschnur. Das Bett ist durchnässt; Blut, Fruchtwasser. Ein Geruch von Eisen, Erde und Anfang.
Man atmet – erschöpft, leer, vollkommen. Ein neuer Klang füllt den Raum.
Alles beginnt mit einem Atem – und hört nie wirklich auf.