Im Personaltrakt schob er die Tür zur Umkleide auf. Ein schmaler Raum mit Reihen aus grauen Spinden und ein paar Bänke. Der Boden war fleckig vom ständigen Tropfen feuchter Schuhe. An der Decke surrte das Neonlicht.
Er öffnete den Schrank, zog ein Hemd heraus und vor dem Spiegel begann er, es zuzuknöpfen.
„Das ist mein Lieblingshemd.“
Ihre Stimme.
Für einen Augenblick hielt er inne. Dann weiter. Knopf für Knopf.
Er fühlte es. Als stünde sie vor ihm. Als wären es ihre Hände, die den Stoff schlossen: Ruhig. Selbstverständlich. Wie früher. Wie nie wieder.
Er setzte den Helm auf. Dann trat er den Kickstarter. Der Motor sprang nicht sofort an. Ein Atemzug. Dann noch einmal.
Diesmal vibrierte die Maschine unter ihm. Er ließ sie einen Moment laufen. Dann fuhr er los. Doch er lenkte sie nicht nach Hause.
Er fuhr Richtung Tugu. Das weiße Monument stand in der Mitte der Kreuzung. Still. Er parkte am Straßenrand. Ein paar Schritte weiter stand ein Angkringan. Ein Wagen aus Holz. Ein Dach aus Planen. Eine Bank davor. Kohle glühte. Der Geruch hing tief in der Luft.
Auf der Bank las ein Taxifahrer die Zeitung. Auf seinem Teller lag nur noch das zusammengefaltete Papier vom Nasi Kucing.
„Kopi Joss, Pak“, bestellte er. Ruhig. Wie immer.
Der Mann nickte. Ein Löffel Kaffee. Zucker. Heißes Wasser. Dann nahm er ein Stück glühende Kohle und ließ es in das Glas fallen.
Ein Zischen ertönte, feiner Rauch stieg auf, und der herbe Kaffeeduft vermischte sich mit der warmen Nachtluft.
Er setzte sich neben dem Taxifahrer.
„Doc, das ist …“
Wieder ihre Stimme.
„Endlich wieder Hühnerfüße. Nach dreizehn Jahren! Danke, Doc.“
Das Holz unter ihm knarrte. Es brachte ihn wieder in die Gegenwart. Ohne sie. Ihr Lachen war längst verstummt – und doch hörte er es hier noch.
Als er den Motor startete, war die Straße stiller geworden. Aber er war nicht allein. Mit jeder Kurve, jedem Schlagloch fühlte er sie wieder hinter sich. Sein Rücken richtete sich unwillkürlich auf. Sein Körper erinnerte sich. Der Druck und die Wärme ihrer Hände an seiner Brust.
Diesmal – fuhr er nach Hause.
Die Pendeluhr schlug dreimal, als er sich ins Bett legte. Im Dunkeln hörte er ihr Ticken – gleichmäßig, beharrlich. Für andere nur die Zeit. Für ihn klang es wie ein Herzschlag. So wie damals, wenn sein Kopf auf ihrer Brust lag und jede Sekunde zum Beweis wurde, dass sie da war.
Er drehte sich auf die Seite, streckte die Hand ins Leere, als würde er den vertrauten Körper neben sich finden. Doch da war nur das kalte Laken.
Langsam kam die Müdigkeit. Seine Lider wurden schwer. Und gerade, als er ins Dunkel glitt, flüsterte er:
„Gute Nacht, Riri.“